Hallo miteinander
Ich bin zwar hier neu, aber eine "alte" Epileptikerin.

bei uns ist Epilepsie in der Familie. Meine Mutter ist Epileptikerin, und ihre 5 Kinder sind es auch, ebenso meine Tochter. Bei uns allen kam die Epi während der Pubertät zum Ausbruch, so dass man noch nicht sagen kann, wie es mit den Kindern meiner Geschwister aussehen wird - bis jetzt sind sie noch zu jung.
Meine Geschwister und ich haben die recht häufigen Anfälle unserer Mutter regelmässig mitgekriegt, sind also quasi damit grossgeworden. Unsere Eltern haben uns recht früh erklärt, dass das viel schlimmer aussieht, als es eigentlich ist und wie wir uns verhalten sollten. Mein ältester Bruder und ich haben das dann auch den jüngeren Geschwistern weitervermittelt bzw. gezeigt und mit ihnen "Doktor sein" geübt. Als dann bei mir als erster von uns die Epi ausbrach, fanden meine Geschwister weiter gar nichts dabei, sondern nahmen es fast schon als eine Selbstverständlichkeit hin. Im Gymnasium wurde ich allerdings von den Lehrern als Geisteskranke bezeichnet, aber nach dem Abi war auch das überstanden.
Meine Tochter und die Kinder meiner Geschwister haben wir so früh wie möglich ganz sachlich darüber aufgeklärt, dass Mutter bzw. Vater Epilepsie haben, dass das nicht weiter schlimmm ist und wie sie zu reagieren haben. Gar kein Problem! Sie reagieren verschieden; so beobachtete meine Tochter und einer meiner Neffen unsere Anfälle quasi diagnostisch und erzählten dann lang und breit, was genau geschehen war, andere setzten sich daneben und singen Lieder.
Als dann bei meiner Tochter während der Pubertät die Epi ausbrach, überraschte mich das nur wenig. Es ist eben in der Familie. Allerdings hatte sie das Glück, in Frankreich aufzuwachsen, wo Epilepsie kein Stigma anhaftet. Sie hatte ihren ersten Anfall in der Schule, der Klassenlehrer rief mich im Büro an und ich telefonierte sofort den Chefarzt in Kork, der auch meine Geschwister und mich medikamentös eingestellt hatte; es gelang mir, noch in derselben Woche einen Termin zu bekommen. Wir hatten Glück, und bereits der erste Medikamentenversuch war ein Volltreffer. Seither lebt auch meine Tochter mit der "heiligen Krankheit", hat aber - anders als ich - keinerlei Probleme mit Freunden, Lehrern usw. Sie geht ganz normal aufs Gymnasium, treibt Sport, macht Musik, geht auf Partys, und sie und ihre Freunde wissen, dass Alkohol absolut tabu ist und halten sich dran. Keiner findet Epilepsie gross erwähnenswert. Ich weiss ja nicht, wie es inzwischen in Deutschland ist, doch als wir vor ca. 15 Jahren nach Frankreich kamen, merkte ich den Unterschied wie Tag und Nacht.
LG
Panettone