Autor Thema: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie  (Gelesen 13701 mal)

CeeKay

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #15 am: 18. September 2009, 18:22:06 »
Hallo ragazzi77,

es ist für mich in der Tat sehr schwierig Grenzen dafür zu setzen…abzuschätzen, bis wohin die Linie zur Vorsicht reicht. Die Begründung dafür findet sich ganz unten. Also werde ich mich zurücknehmen. Mein Umgang mit diesen Themen scheint schon zu natürlich geworden zu sein. Andererseits wäre meine ganze Situation jetzt anders, wenn ich mich manchen Sachen nicht selbst gestellt hätte, denn viele Probleme kamen auch erst mit der wirklich argen Erklärungsnot vor meinem behandelnden Arzt zustande. Der ist Neurologe und Psychiater…2 in 1. Er wusste mit meinem Persönlichkeitsprofil nicht mehr wirklich was anzufangen, weil ich mich zu sehr geändert hatte. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte ich direkt Antidepressiva oder andere Neuroleptika dafür nehmen sollen. Ich habe noch keinen Arzt erlebt, der einem bei solchen Beschreibungen keine Medis aufquatschen will…dabei hab ich´s ihm schon nur Stück für Stück erzählt. Woran aber die wenigsten dabei denken ist, dass sich die Grundsituation bei Einnahme solcher Mittel grundlegend ändert und man vor neuen Problemen steht (z.B. zu starker sedierender Wirkung).

Selbstdiagnosen sind sogar tabu! Ich will hier ebenfalls keinem Unbehagen bereiten oder Ängste streuen, sondern ging eher von dem anderen Fall aus, dass der ein oder andere Beschreibungen entdeckt, die ihm als Betroffener helfen. Suche ja auch selbst danach. Zuversicht zu vermitteln, denn das Problem an solchen Sachen ist, dass einem die genommen wird, wenn die Ärzte einem zutragen: „Hey, du hast jetzt ein fortwährendes Problem. Dafür gibt´s nur eine Lösung! Hier ist ein Rezept“. Viele gehen hin und versuchen erst gar nicht mehr, den Alltag in den Griff zu bekommen…wofür auch, wenn es angeblich immer so bleiben soll? Ich für meinen Teil mag nicht noch ein Mittelchen gegen psychische Probleme nehmen, die man i.d.R. nur richtig zu handhaben braucht, um sie nicht mehr als Problem zu haben. Ein Psychologe beispielsweise nimmt sowas ganz anders auf, als ein Psychiater und handelt dementsprechend auch anders. Ich bin ein Freud-Anhänger  :)

Ich suchte vor ein paar Jahren (bin jetzt 31) lediglich nach Beschreibungen im Internet über Dinge, die ich bei mir selbst als seltsam empfand oder die mir andere als andersartig beschrieben, meistens ohne dass sie mir vorher aufgefallen waren. Positive und negative Dinge also, die einen den Alltag über begleiten und den Umgang mit anderen beeinflussen (z.B. Mimik, soziales Verhalten, Tonfall der eigenen Sätze). Man will ja schließlich nicht sein Leben lang eine Außenseiterrolle spielen, nur weil man z. B. introvertierter ist oder anders reagiert als andere. Wer fragt schon nach dem Warum, wenn man es nicht selbst tut? Durch sich selbst durchzusteigen ist beispielsweise ein sehr effektivstes Mittel gegen Depressionen. Es ging mir demnach nicht um Diagnosen wie DIS oder PTB, sondern eher um einzelne Symptome, denn wenn man so manchen Prozess einmal kennt, dann weiß man was man zu tun hat, damit es wieder verschwindet.

Zitat
Das meine ich z.B. unter anderem damit. Dachte bis vor einiger Zeit selbst nicht, das wohl ein Symptom bei einer Psychose sein soll, das "derjenige" selbst meint dahingehend "Gesund" zu sein? Verstehe ich dann halt so, das man es "selbst" vielleicht nicht wirklich merkt, oder es auch in diese Richtung einordnet und da vermutlich schon im Vorfeld etwas stärker darauf achten sollte, was einem an sich selbst eher ungewöhnlich vorkommt?

Ja, nein und ganz anders...weiß nicht, ob ich das jetzt genauer in Worte kleiden sollte. Psychose ist nicht gleich Psychose und von denen, die wir angesprochen haben ist man immernoch meilenweit davon entfernt, den Bezug zur Realität so zu verlieren, wie man es aus Filmen oder Medien kennt.  ;)

Zitat
Man sollte sich vielleicht auch nicht selbst bei einigen Dingen überschätzen weil man schon jahrelange Erfahrungen mit seiner Epilepsie hat?
Ich kenne es nicht anders, hatte die Diagnose schon kurz nach Kleinkindalter und vorher Fieberkrämpfe. Wenn ich plötzlich einen „Normalzustand“ erreichen würde, merkte ich es möglicherweise auch gar nicht. So habe ich einen Rhythmus gefunden, der mich auch dann aufrecht hält, wenn wieder Probleme auftauchen. Für mich ist es dieses „normal, nur mit ein paar Einschränkungen“. Viele davon sind dafür zu meinem inneren Spiegelindikator geworden (Auren oder PM treten seit meiner ersten Serie nämlich nicht mehr auf), der mir zeigt, wann was mit den Medis nicht stimmt. Hat mich schon vor manchem Spiegelabsacker bewahrt. Kennst du den Film Narco? Was soll ich als gesund oder normal annehmen, wenn ich das nie kannte? Es ist keine Überschätzung dessen, was ich lange habe...eher die Unkenntnis darüber, was ich nicht zu haben habe. Hab´ mich da inzwischen dran gewöhnt.

LG
CeeKay
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sterntaler

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #16 am: 18. September 2009, 19:01:58 »
Hallihallo,
melde mich nur kurz aus Zeitmangel. Ich denke, ich achte schon darauf, nicht zu intensiv über persönliche Probleme zu berichten, gerade weil ich auch daran denke, die Themen dieses Forums nicht zu sprengen. Über private Mails wäre ein weiterer Austausch ja möglich. Und, klar, andere User könnten zusätzlich erschreckt oder verunsichert werden.
Andererseits entlastet es mich zu lesen, daß ich nicht alleine bin mit manchen Erfahrungen und es nicht Spinnerei ist, sondern Erlebnisse vielleicht einfach nur eine Folge von Epi, Medis oder Psyche. Privat kenne ich niemanden mit dieser Krankheit, so daß mir dieses Forum echt hilft !  :dance:
Weiter ist für mich klar, wenn ich über "Halluzinationen" berichte, sind diese für mich nicht gleichbedeutend mit "Psychose". Ich arbeite täglich mit schwer psychisch kranken Menschen (auch mit chronischen Psychosen) und der Hauptunterschied zwischen Neurose und Psychose ist der, daß der Psychotiker seine krankheitsbedingte Wahrnehmung als real und normal erlebt und das Umfeld als krank oder verquer (um es einfach zu formulieren). Ich konnte meine eigenen Halluzinationen nach dem ersten Erschrecken immer überprüfen, also okay, das ist deine Hand, die k a n n  dir keine Botschaft senden ... etc - also keine "echte" Psychose.
Und da ich bisher keinen guten Neurologen finden konnte, kann ich niemanden anrufen, sondern halte aus, gewöhne mich an das Komische, verlasse mich auf mein Bauchgefühl, mein Fachwissen  ... und gucke neuerdings im Netz nach. Herzl. Grüße und schönes Wochenende ! Sterntaler

ritorno

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #17 am: 18. September 2009, 20:40:16 »
Hallo CeeKey,

für mich ist es manchmal schwierig meine eigenen Ängste nicht zu deutlich zum Vorschein kommen zu lassen, weil ich nicht möchte das andere dann vielleicht deswegen Ängste bekommen könnten die sie ohne meinen Beitrag nicht hätten. Komischer Satz, aber ich weiß nicht wie ich es sonst ausdrücken könnte? Ob andere das dann wirklich so betrachten kann ich nicht sagen, sollte ich vielleicht auch wirklich nicht mit mir vergleichen. ::)

Deine Erklärung in diesem Zusammenhang kann ich dann jedoch auch gut verstehen.

Zitat
Ich habe noch keinen Arzt erlebt, der einem bei solchen Beschreibungen keine Medis aufquatschen will…dabei hab ich´s ihm schon nur Stück für Stück erzählt.

Das kann ich so nicht wirklich beurteilen, habe jedoch die Erfahrung gemacht das ich es eben "ohne solche Medikamente" eher nicht geschafft hätte aus so mancher Krise heraus zu kommen? Eines meiner Traumata ist leider "die Epilepsie" selbst und dann hat man ein echtes Problem diese Diagnose "erneut" zu bekommen. Wusste ich aber da noch nicht. Viele negative Erfahrungen mit AE’s, Mobbing, Behandlungsfehlern etc., die Gründe dafür sehe ich heute aber auch schon wieder in einem anderen Zusammenhang.

Zitat
Woran aber die wenigsten dabei denken ist, dass sich die Grundsituation bei Einnahme solcher Mittel grundlegend ändert und man vor neuen Problemen steht (z.B. zu starker sedierender Wirkung).

Das kommt nach meiner Erfahrung dann auch darauf an, welcher Arzt sie wie gewissenhaft und mit welcher Absicht verordnet. Als sich bei mir nach Jahren die Anfälle wieder deutlich vermehrten bekam ich es voll mit der Panik zu tun. Nur noch Alpträume das mein ganzes Leben wieder den Bach runter geht was ich mir in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgebaut hatte, etc. Eine PTB betreffend, dann weißt du ja vermutlich auch wie schlimm so etwas werden kann?

Wenn durch eine Depression die vermutlich durch eine PTB entstanden ist und in dem Moment wo man dann auch noch versucht durch sich selbst zu steigen, wirklich "alles" auftaucht was die Seele über Jahre versteckt hat, dann kann es richtig hart werden. Also war es wohl der Zeitpunkt der irgendwann so kommen musste? Ob es sooo kommen "musste" weiß ich allerdings nicht wirklich. ::)

Zitat
Woran aber die wenigsten dabei denken ist, dass sich die Grundsituation bei Einnahme solcher Mittel grundlegend ändert und man vor neuen Problemen steht (z.B. zu starker sedierender Wirkung)

Da finde ich es dann wichtig zu sagen, das sie "mich" in keiner Weise sediert haben. Im Gegenteil, ein Neuroleptikum (1mg täglich), was ich ganz am Anfang mal für 3 Wochen bekommen habe fand ich richtig gut. Ich war ruhig und klar, hatte keinerlei "unnötige" Gedanken und Ängste mehr, bei voller Konzentrationsfähigkeit. Das Medikament brachte mich eben dazu, überhaupt in der Lage zu sein mit meinem Neurologen zu sprechen.

Dann versuchte ich aber wieder Zeit zu schinden und den nächsten Termin heraus zu schieben. Er sprach schon ständig von einem AE und das betrachtete ich als meinen absoluten Feind zu diesem Zeitpunkt. So zog ich es wieder 3 Monate hinaus, aber es wurde schlimmer. Meine Angst um den Arbeitsplatz brachte mich dann letztendlich mit dazu es wieder mit einem AE zu versuchen.

Siehst du, deswegen ziehe ich eher einen Psychiater vor, denn bei den Psychologen hat man ja nur 2 Möglichkeiten. Eben je nach Ausbildung - Freund oder Jung. Dann habe ich wieder nur eine Wahl was mich dann eher wieder unter Druck setzen könnte. So habe ich mehrerer Möglichkeiten einen guten Weg für mich zu finden womit ich dann besser klar komme.  :)

Ich neige da in meiner Grundeinstellung ein wenig zum Buddhismus. Möchte betonen, in keiner Weise im religiösen Sinne, jedoch hat mich ein wichtiger Aspekt dieser Lehre in meinem Leben schon sehr oft weitergebracht. "Der Glaube an mich selbst".


@ Sterntaler


Zitat
Privat kenne ich niemanden mit dieser Krankheit, so daß mir dieses Forum echt hilft !

Das kann ich nur bestätigen und auch ich bin sehr froh darüber mich hier im Forum austauschen zu können. :) Kannte vorher auch niemanden mit dieser Krankheit, doch auch da habe ich durch das Forum einige Menschen kennen gelernt die mir auch privat schon oft eine große Hilfe waren und es auch noch sind.

Zitat
Und, klar, andere User könnten zusätzlich erschreckt oder verunsichert werden.

Weißt du, so Rückblickend denke ich das ich so einiges was ihr geschrieben habt wohl am ehesten persönlich etwas überbewertet habe, da ich leider noch immer an so machen Ängsten arbeiten muss. ::) Verzeiht mir das also und führt euren Austausch so weiter wie ihr es für richtig empfindet. Klar das hier niemand einem anderen wohl "bewusst" Angst machen möchte. Bin eben immer noch ein ziemlicher Schisser was so einige Dinge anbelangt.  

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende und das es euch gut geht, ihr es somit genießen könnt.

LG ragazzi
« Letzte Änderung: 18. September 2009, 20:46:51 von ragazzi77 »

ritorno

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #18 am: 19. September 2009, 13:25:48 »
Habe mir meinen letzten Beitrag gerade noch mal durchgelesen und möchte gerne etwas hinzufügen. :)

Zitat
Wenn durch eine Depression die vermutlich durch eine PTB entstanden ist ...

Damit meinte ich eine PTBS - ist dann schon eine Unterscheidung. Da versteht man vielleicht auch besser wenn jemand in bestimmten Fällen auch mal ein Neuroleptikum nehmen muss (ohne Psychose) und das Antidepressiva auch noch andere Wirkungskreise mit einbeziehen können. Und ich denke das könnte vielleicht mit ein Grund sein warum sich doch so einige gegen Psychopharmaka zur Wehr setzen, andere Medikamente aber in der Regel sofort ohne große bedenken einnehmen? Vielleicht unter anderem auch wegen allgemeiner Vorurteile dahingehend?

Hier nur mal als rein Informatives Beispiel nachzulesen ... http://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsst%C3%B6rung

Zitat
Siehst du, deswegen ziehe ich eher einen Psychiater vor, denn bei den Psychologen hat man ja nur 2 Möglichkeiten.
Eben je nach Ausbildung - Freund oder Jung.

Ich meinte natürlich Freud oder Jung.

Dazu fällt mir noch ein, die These die Freud z.B. zu Langzeitfolgen einer PTBS aufgestellt hat finde ich nicht gut. Er ordnete wohl generell viele Dinge gleich in die Sparte einer Hysterie ein was ich so nicht vertretbar finde. Das ist für mich unter anderem ein Beispiel dafür, das ich nach den Lehren von Freud und Jung wohl eher nur 2 Möglichkeiten habe?

Die Lehre von Freud beruht wohl darauf das psychische Probleme in der Regel mit der eigenen Sexualität in Verbindung stehen und die von Jung das wohl die Ursachen in der Kindheit zu suchen sind. Jedoch bin ich persönlich der Meinung das man diese Dinge niemals solchen Grundsätzen klar zuordnen kann und sollte. Im Leben widerfahren einem in allen Alters - und Lebensstufen manchmal so schlimme Dinge die unsere Seele zu unserem Schutz vergräbt, das man sich nicht nur in eine bestimmte Richtung konzentrieren sollte.

Insbesondere bei psychischen Begleiterscheinungen im Zusammenhang mit einer Epilepsie. Da ist nach meiner Meinung ein Psychiater wohl erstmal der bessere Ansprechpartner. So geht halt jeder nach seinen Erfahrungen, denn eine "Fachärztin für Psychiatrie" hat bei mir vor Jahren erkannt, das eine Reduktion der AE's wohl meine damaligen psychischen Probleme recht schnell beseitigen könnte. Sie hatte vollkommen Recht, es war wirklich so.


LG ragazzi  :)

vangaal

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #19 am: 26. September 2009, 23:22:53 »
Hi vangaal,

ja, bin noch wach ... ;D
Depersonalisation und/ oder Derealisation können Bestandteil vieler neurologischer/ psychiatrischer Erkrankungen sein. Und gehören meines Wissens auch bei Epi zu einigen Anfallsformen dazu. Kenne ich auch von meinen Auren ...
Bei mir selbst ist nicht bekannt, war zuerst die Henne da oder das Ei. Ich habe seit der Pubertät mit sehr schwerem - und mittlerweile leider total chronischen - Depersonalisation/Derealisationserleben zu tun. Allerdings habe ich in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter genug schwere traumatische Erlebnisse gehabt, so daß dieses extrem angstauslösende Erleben von Ärzten im wesentlichen darauf zurückgeführt wird. Also schwere Posttraumatische Belastungsstörung.
Ich akzeptiere nach vielen Jahren, daß ich meinen Alltag im wesentlichen hinter einer Glaswand, getrennt von meiner Umwelt verbringe, mich selbst oft als Roboter erlebe und vollkommen neben mir stehe. Manchmal grenzt das fast an das Gefühl, das Bewußtsein zu verlieren, - und ja, manchmal verzweifel ich total, weil ich nicht weiß, wie lange ich das aushalten soll.
Ich sehe es 1. als massive psychische Behinderung - und dann vielleicht auch phasenweise 2. als Folge der Epi. Aber vielleicht ist bei mir die Epi auch durch die vielen Traumata entstanden, das ist so eine meiner eigenen Hypothesen.
Bei mir hat es in erster Linie was mit innerem und äußeren Streß zu tun. Wenn ich genug Abstand zum Alltag habe, wird es häufig besser. Fühle ich mich aus irgendeinem Grund mit Menschen unwohl, in Situationen überfordert oder habe - wie im Moment- schlicht ein burn-out, dann ist es extrem.
Das war ein Versuch einer Kurzfassung ...
Herzliche Grüße, Sterntaler


vangaal

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #20 am: 26. September 2009, 23:47:47 »
Nabend Leute,

ich bin es nochmal wieder, vanGaal, welcher dieses Thema eröffnet hat.
Mir geht es gerade bzgl. Depersonalisation, Stimme, nicht erkennen im Spiegel
überhaupt nicht gut. Heute war ich zum Beispiel bei meinen Eltern zu Besuch, anschliessend
fuhr ich dann nach Hause, war eine Zeit lang im Garten und dann auf einmal machte es "klack"
und ich saß im Sessel und schaute die Sportschau. Die Dauer von dem Besuch meiner Eltern bis zur
Sportschau (2 h) bekam ich nur so nebenläufig mit. Irgendwie bin ich nicht da und mache trotzdem alles richtig.
Ich werde nicht gesteuert (Roboter), auch keine Stimmen (Schitzophrenie)!
Ich bin müde, unkonzentriert, wie wenn einer stoned ist und nach und nach wieder zu sich kommt.
Genau wie bei einem Anfall! Was meint ihr, hängt es mit der Epilepsie zusammen? Ich habe jeden Tag
diese Gefühle und lehne mich dagegen auf, dass sie mich nicht ganz einnehmen.
Sollte ich dies aber eher nicht mehr tun und mich meinem Schicksal beugen  ????

Wünsche euch einen schönen Sonntag,
vanGaal 




sterntaler

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #21 am: 27. September 2009, 18:11:36 »
Hi vangaal,

tut mir echt leid, daß es so schlimm ist. Natürlich weiß ich nicht, ob es "nur" mit der Epi zusammenhängt oder noch andere Ursachen mitspielen. Ich würde genau das, was Du hier beschrieben hast, mit Deinem Arzt besprechen. Und zwar bald !! Echt !
Dieses: sich nicht im Spiegel erkennen - kenne ich auch - es macht echt Angst. Bis heute weiß ich nicht, ist das nur Dissoziatives Erleben, oder ist das auch Bestandteil der Epi ? Ich glaube für mich das Erste. Und das kann extrem sein.
Vielleicht können die einzelnen Symptome auch nicht so klar voneinander getrennt werden. Gehirn ist ja bischen kompliziert. Ich habe z. B. auch klassische Migräne mit Aura seit der Kindheit - und unter anderem Anfälle, die sozusagen eine "Mischform" von Epi-Anfall und Migräne darstellen. Gerade wieder eine Serie gehabt. Auch dafür gibt es keine echte Erklärung.
Aber so wie Du es beschreibst, klingt es für mich schon ziemlich nach "mehr" als nur Epi, also vielleicht als psychische Reaktion auf irgendetwas. Aber es würde zu weit gehen, jetzt hier Hypothesen aufzustellen, weil das wirklich Sache Deines Arztes in Zusammenarbeit mit Dir ist.
Bitte, ab zum Arzt. Und berichte doch mal, wie es weitergeht.
Alles Gute, Sterntaler

CeeKay

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #22 am: 26. Oktober 2009, 15:07:28 »
Heute war ich zum Beispiel bei meinen Eltern zu Besuch, anschliessend
fuhr ich dann nach Hause, war eine Zeit lang im Garten und dann auf einmal machte es "klack"
und ich saß im Sessel und schaute die Sportschau. [...] Ich bin müde, unkonzentriert, wie wenn einer stoned ist und nach und nach wieder zu sich kommt. Genau wie bei einem Anfall! Was meint ihr, hängt es mit der Epilepsie zusammen? Ich habe jeden Tag
diese Gefühle und lehne mich dagegen auf, dass sie mich nicht ganz einnehmen.
Sollte ich dies aber eher nicht mehr tun und mich meinem Schicksal beugen  ????

Warst du inzwischen schon bei deinem Neurologen? Sich dagegen aufzulehnen ist sehr anstrengend...ich würde versuchen, für dich eine annehmbare Umgangsweise damit zu finden. Vieles davon wird nach und nach verschwinden. Was auf jeden Fall im Vorfeld abgeklärt werden sollte ist die Frage, ob es eine Anfallsform sein könnte. Was sagen denn deine Blutwerte?
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vangaal

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #23 am: 18. November 2009, 20:49:28 »
Guten Abend ceekay und Sterntaler,

ich war beim Neurologen. Er hat mir nun Risperdon verschrieben.
Was meint ihr dazu?

Z. Zt. treten immer einige Auren/ fokale Anfälle auf. Die Ich-Entfremdung
ist während der Anfälle schlimmer. Es gibt bestimmt einen Zusammenhang!
Bevor ich nun Risperdon nehme muss ich abwarten, bis die Epi wieder
abgenommen hat.

Bis dann,
vangaal

CeeKay

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Re: Depersonalisation/ Aggression durch Epilepsie
« Antwort #24 am: 18. November 2009, 22:45:43 »
Guten Abend vangaal,

hat er dir wenigstens den Grund dafür genannt, weswegen du genau das Risperdon nehmen sollst...Depression, Aggression, Depersonalisierung oder ähnliches? Und was sagen deine Spiegelwerte? Ob das Medi dir hilft oder nicht, kann keiner sagen. Wenn du geneigt wärst das auszuprobieren, wäre es in einer akuten Phase sicherlich vertretbar auszutesten, weil sinnig. Anderenfalls bräuchtest du es ja eh nicht einzunehmen - oder was meinte dein Neuro zur vorgesehenen Einnahmedauer?

Wenn du wissen willst, ob ein Zusammenhang zwischen deiner anfallsbereiten Zeit und der Ich-Entfremdung besteht, warte wenn es dir möglich ist mit dem Einsetzen von Risperdon noch ca. zwei Wochen, nachdem die Epi schon wieder abgenommen hat. Es könnte gut sein, dass es damit zusammenhängt. Ggf. ist dir bei dir selbst auch ein Rhythmus aufgefallen, in dem die Depersonalisierungen wiederkehren? Sollte letzteres der Fall sein, hättest du die Antwort wahrscheinlich schon parat.

Von mir kann ich nur berichten, dass die Depersonalisierung dann eintritt, wenn ich einen hartnäckigen Spiegelschwanker habe (also Phasen erhöhter Anfallsbereitschaft incl.) oder eine emotional extrem stressige Zeit durchlebe. Seitdem ich das aber weiß, ist es für mich nicht mehr wirklich schlimm, womit sich auch die aggressive Haltung über diesen Zustand gelegt hat. Parallelen oder Rhythmen gibts zumindest von meiner Seite her: Es gibt zwei Jahreszeiten, in denen ich immer wiederkehrend Probleme mit der Epi habe. Anfälle gehen da heute nicht mehr mit einher, aber als Kind habe ich hauptsächlich im Frühling und Herbst gekrampft. Heutzutage bemerke ich es immer noch deutlich, wenn auch nur an dem Ausmaß der auftretenden Nebenwirkungen innerhalb dieser Monate und körperlicher Abgeschlagenheit. Um die Anfälle herum gibts bei mir auch eine Art Muster. Ein paar Wochen vorher bin ich von innerer Unruhe erfüllt und extrem aggressiv, aber auch kreativ und aufgedreht. Belastbarkeit sinkt dann von 100 auf 0, dann ein Anfall und darauf folgen dann erstmal wieder ein oder zwei Wochen der Unsicherheit, bis schließlich alles wieder seinen gewohnten Gang nimmt. An solchen Punkten stelle ich immer wieder fest: Ruhe ist ganz wichtig. Jeden Tag.

Es tut mir Leid, dass du wieder rückfällige Zeiten mit der Epi erlebst. Gönne dir zumindest in Bezug auf die Ich-Entfremdung eine Sorgepause. Das hört sich jetzt vll. etwas komisch an, aber manchmal gelingt es sogar, sich selbst zu ignorieren, wodurch sich viel Missmut legt und -ja, doch- Gelassenheit mit sich bringt. Nicht gleichzusetzen mit bekämpfen, denn das strengt wieder an.

LG und gute gute Besserung
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